Guter Tee: Vom Aussterben bedroht

Wenn ich Ihnen erzählen würde, dass es einen Mangel an Tee auf der Welt gibt, wären Sie überrascht? Die meisten Leute wären es, da die Supermärkte reichlich mit Tee ausgestattet sind. Aber leider ist es wahr. Die Verfügbarkeit von wirklich gutem Tee nimmt wegen einiger Faktoren ab. Zunächst wächst der Bedarf, was natürlich ein gutes Zeichen ist, allerdings macht es die Beschaffung schwieriger. Die schlechte Nachricht ist, dass immer weniger Teeplantagen wirklich hochwertigen Tee anbauen.

Wir haben bereits in anderen landwirtschaftlichen Bereichen gesehen, dass der Anbau einiger Produkte nicht so profitabel ist, also bauen die Landwirte eher andere Pflanzen an oder suchen sich eine ganz neue Einkommensquelle. Dieses Phänomen hat gewaltige Auswirkungen auf die Welt des Tees. Um Geld zu sparen, haben viele Landwirte, die weiterhin Tee anbauen, begonnen mechanische Methoden bei der Ernte und bei der Verarbeitung zu nutzen. Es gibt zwei mögliche Methoden zur Verarbeitung von Tee - die orthodoxe Verarbeitung und CTC (crush, tear, curl "zerbrechen, zerreißen, rollen"). Nahezu alle guten Teesorten werden orthodox verarbeitet, ein Prozess der voraussetzt, dass der Tee in kleinen Portionen verarbeitet wird und dadurch zeitaufwändiger und teurer ist.

Traditionelle Herkünfte von Tee wie Indien, Ceylon und Taiwan haben in der Vergangenheit nur die orthodoxe Methode der Verarbeitung genutzt, aber heutzutage ändert sich das Szenario. China ist wohl das einzige Land, das noch immer ausschließlich die orthodoxe Verarbeitung nutzt, da die finanziellen Mittel fehlen, um die CTC Verarbeitung zu beginnen - was gut für Teeliebhaber ist, allerdings nicht einfach für die Teehersteller, die dort leben und arbeiten. CTC ist ein mechanischer Vorgang, der hauptsächlich für die Herstellung von Teebeuteln genutzt wird. In den letzten Jahrzehnten hat die CTC Verarbeitung stark zugenommen. Die kommerziell wichtigen Länder wie Kenia und Argentinien nutzen CTC, eine Tatsache die viele Teeliebhaber nicht stört. Letztes Jahr wurde die letzte Teeplantage in Kenia verkauft, die noch die orthodoxe Verarbeitung nutze. Ein multi-nationales Teeunternehmen kaufte sie auf und sofort wurde die CTC Verarbeitung eingeleitet. Noch alarmierender ist die Tatsache, dass Indien, mit der Ausnahme von dem Darjeeling-Bereich (und Assam, wo neuerdings auch wieder zur traditionellen Verarbeitung gewechselt wurde) fast nur noch die CTC Verarbeitung nutzt. China würde diese Verarbeitungsweise auch nutzen, allerdings wird für die Maschinen ein gewisses Anfangskapital benötigt, welches die Bauern nicht haben. 

Den Erzeugern nach liegt der Anstieg in der CTC Verarbeitung zum großen Teil an der Tatsache, dass bei diesem Verfahren mehr Tassen pro Kilo entstehen. Der Beweis dafür liegt an dem Umstand, dass der weltweite Tee-Verbrauch in Tassen gemessen in den letzten Jahren gestiegen ist, während die Produktionszahlen konstant geblieben sind. Warum? Da CTC den Tasse-pro-Kilo Ertrag verdoppelt. Darüber hinaus mussten sich die Erzeuger von Tee harten wirtschaftlichen Realitäten stellen. Die CTC Verarbeitung erfordert weniger Zeit und Arbeit und produziert Tees, die leider akzeptabel für den Großteil des Marktes sind.

Verstehen Sie mich nicht falsch, der Anstieg der CTC Verarbeitung besorgt mich nicht nur wegen meiner eigenen Neo-Luddismus Tendenzen. Hier geht es nicht nur um die Tatsache, dass neue Technologien veraltete Denkweisen und Prozesse ersetzen. Bei der CTC Herstellung können keine Blattgrad-Tees hergestellt werden. Eine der bedeutendsten Schönheiten des Tees ist die scheinbar endlose Variation der Blattarten, die aus der gleichen Pflanze hergestellt werden können. Von den handgerollten Jasmin Perlen bis hin zu den langen, gedrehten Blättern des Ceylon Tees, die orthodoxe Herstellung ist die Mutter aller einzigartiger Besonderheiten des Tees. Für wahre Liebhaber des Blattes ist die Zunahme der CTC Herstellung ein erschreckender, fast apokalyptischer Trend. Dieser kann nur eine Beschränkung des herrlichen Geschmack-Spektrums bedeuten. Aber was können wir als Konsumenten von gutem Tee dagegen tun?

Der einzige Weg, um die orthodoxe Verarbeitung zu sichern und die Zukunft von guten Teesorten zu garantieren, ist die Wertschätzung von wirklich gutem Tee. Denken Sie einmal darüber nach, wieviel Aufwand für einen handgemachten erstklassigen Tee benötigt wird. Von der mühsamen Kultivierung der Teepflanzen, die auf unglaublich steilem Berggelände wachsen, über die Sisyphusarbeit des Zupfens der frischen Teeblätter mit der Hand, bis zur kritischen und teuren Verarbeitung und Sortierung; jede Tasse guter Tee ist der Höhepunkt der Bemühungen von buchstäblich Hunderten von Menschen. Ein Darjeeling-Pflücker arbeitet an den steilen Hängen und verbringt dort den ganzen Tag, zupft rund 30.000 Sprösslinge, um am Ende des Tages ein Ergebnis von mageren neun Pfund Tee zu erhalten.

Und was ist am Ende der Preis für den Konsumenten für diese gewaltige Menge an Arbeit und Sorgfalt? Die wirklich teuersten und exklusivsten Tees der Welt werden vielleicht für 300$ pro Pfund verkauft. Aus einem Pfund können etwa 200 Tassen gekocht werden, also kostet eine Tasse Tee 1,50$. Stellen Sie sich vor - der weltbeste Tee für 1,50$ pro Tasse! Wie schön wäre es, wenn man die weltbesten Weine auch zu diesen Preisen kaufen könnte. Es würde bedeuten, dass Sie 7,50$ für eine Flasche des weltbesten Weins bezahlen müssten. Leider kann eine Flasche wirklich guten Weins nicht mal für das doppelte gekauft werden und die weltbesten Weine kosten mehrere hundert Dollar.

Das Interesse an gutem Tee ist der einzig sichere Retter für die Premium-Tee-Industrie. Auf der positiven Seite treiben das gewaltige europäische Interesse und ein wachsendes Interesse in den USA den Premium-Tee-Markt voran. Intensiver Wettbewerb bei einer immer knapper werdenden Versorgung mit feinen traditionell hergestellten Tees hat die Preise in die Höhe getrieben. Einige Tee Produzenten wurden dadurch ermutigt, wieder traditionelle Herstellungsweisen zu nutzen, mit dem Fokus auf Qualitätssteigerung anstatt Gewinn. Meine Bitte an Sie, den Teeliebhaber, ist es, die gesunden Freuden eines wirklich guten Tees zu entdecken, gute Lieferanten auszusuchen, die sich auskennen und denen ihre Produkte am Herzen liegen, und dann bereit zu sein, einen fairen Preis zu zahlen. Wenn Sie Tee einkaufen, denken Sie daran wieviel Sie tatsächlich für eine einzelne Tasse bezahlen - Ihre und meine Tasse Tee könnte davon abhängen. Wenn wir bereit sind für Qualität zu zahlen, können wir gemeinsam garantieren, dass eine viele tausend Jahre alte Tradition weiterhin gedeiht.

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Wenn ich Ihnen erzählen würde, dass es einen Mangel an Tee auf der Welt gibt, wären Sie überrascht? Die meisten Leute wären es, da die Supermärkte reichlich mit Tee ausgestattet sind. Aber leider ist es wahr. Die Verfügbarkeit von wirklich gutem Tee nimmt wegen einiger Faktoren ab. Zunächst wächst der Bedarf, was natürlich ein gutes Zeichen ist, allerdings macht es die Beschaffung schwieriger. Die schlechte Nachricht ist, dass immer weniger Teeplantagen wirklich hochwertigen Tee anbauen.

Wir haben bereits in anderen landwirtschaftlichen Bereichen gesehen, dass der Anbau einiger Produkte nicht so profitabel ist, also bauen die Landwirte eher andere Pflanzen an oder suchen sich eine ganz neue Einkommensquelle. Dieses Phänomen hat gewaltige Auswirkungen auf die Welt des Tees. Um Geld zu sparen, haben viele Landwirte, die weiterhin Tee anbauen, begonnen mechanische Methoden bei der Ernte und bei der Verarbeitung zu nutzen. Es gibt zwei mögliche Methoden zur Verarbeitung von Tee - die orthodoxe Verarbeitung und CTC (crush, tear, curl "zerbrechen, zerreißen, rollen"). Nahezu alle guten Teesorten werden orthodox verarbeitet, ein Prozess der voraussetzt, dass der Tee in kleinen Portionen verarbeitet wird und dadurch zeitaufwändiger und teurer ist.

Traditionelle Herkünfte von Tee wie Indien, Ceylon und Taiwan haben in der Vergangenheit nur die orthodoxe Methode der Verarbeitung genutzt, aber heutzutage ändert sich das Szenario. China ist wohl das einzige Land, das noch immer ausschließlich die orthodoxe Verarbeitung nutzt, da die finanziellen Mittel fehlen, um die CTC Verarbeitung zu beginnen - was gut für Teeliebhaber ist, allerdings nicht einfach für die Teehersteller, die dort leben und arbeiten. CTC ist ein mechanischer Vorgang, der hauptsächlich für die Herstellung von Teebeuteln genutzt wird. In den letzten Jahrzehnten hat die CTC Verarbeitung stark zugenommen. Die kommerziell wichtigen Länder wie Kenia und Argentinien nutzen CTC, eine Tatsache die viele Teeliebhaber nicht stört. Letztes Jahr wurde die letzte Teeplantage in Kenia verkauft, die noch die orthodoxe Verarbeitung nutze. Ein multi-nationales Teeunternehmen kaufte sie auf und sofort wurde die CTC Verarbeitung eingeleitet. Noch alarmierender ist die Tatsache, dass Indien, mit der Ausnahme von dem Darjeeling-Bereich (und Assam, wo neuerdings auch wieder zur traditionellen Verarbeitung gewechselt wurde) fast nur noch die CTC Verarbeitung nutzt. China würde diese Verarbeitungsweise auch nutzen, allerdings wird für die Maschinen ein gewisses Anfangskapital benötigt, welches die Bauern nicht haben. 

Den Erzeugern nach liegt der Anstieg in der CTC Verarbeitung zum großen Teil an der Tatsache, dass bei diesem Verfahren mehr Tassen pro Kilo entstehen. Der Beweis dafür liegt an dem Umstand, dass der weltweite Tee-Verbrauch in Tassen gemessen in den letzten Jahren gestiegen ist, während die Produktionszahlen konstant geblieben sind. Warum? Da CTC den Tasse-pro-Kilo Ertrag verdoppelt. Darüber hinaus mussten sich die Erzeuger von Tee harten wirtschaftlichen Realitäten stellen. Die CTC Verarbeitung erfordert weniger Zeit und Arbeit und produziert Tees, die leider akzeptabel für den Großteil des Marktes sind.

Verstehen Sie mich nicht falsch, der Anstieg der CTC Verarbeitung besorgt mich nicht nur wegen meiner eigenen Neo-Luddismus Tendenzen. Hier geht es nicht nur um die Tatsache, dass neue Technologien veraltete Denkweisen und Prozesse ersetzen. Bei der CTC Herstellung können keine Blattgrad-Tees hergestellt werden. Eine der bedeutendsten Schönheiten des Tees ist die scheinbar endlose Variation der Blattarten, die aus der gleichen Pflanze hergestellt werden können. Von den handgerollten Jasmin Perlen bis hin zu den langen, gedrehten Blättern des Ceylon Tees, die orthodoxe Herstellung ist die Mutter aller einzigartiger Besonderheiten des Tees. Für wahre Liebhaber des Blattes ist die Zunahme der CTC Herstellung ein erschreckender, fast apokalyptischer Trend. Dieser kann nur eine Beschränkung des herrlichen Geschmack-Spektrums bedeuten. Aber was können wir als Konsumenten von gutem Tee dagegen tun?

Der einzige Weg, um die orthodoxe Verarbeitung zu sichern und die Zukunft von guten Teesorten zu garantieren, ist die Wertschätzung von wirklich gutem Tee. Denken Sie einmal darüber nach, wieviel Aufwand für einen handgemachten erstklassigen Tee benötigt wird. Von der mühsamen Kultivierung der Teepflanzen, die auf unglaublich steilem Berggelände wachsen, über die Sisyphusarbeit des Zupfens der frischen Teeblätter mit der Hand, bis zur kritischen und teuren Verarbeitung und Sortierung; jede Tasse guter Tee ist der Höhepunkt der Bemühungen von buchstäblich Hunderten von Menschen. Ein Darjeeling-Pflücker arbeitet an den steilen Hängen und verbringt dort den ganzen Tag, zupft rund 30.000 Sprösslinge, um am Ende des Tages ein Ergebnis von mageren neun Pfund Tee zu erhalten.

Und was ist am Ende der Preis für den Konsumenten für diese gewaltige Menge an Arbeit und Sorgfalt? Die wirklich teuersten und exklusivsten Tees der Welt werden vielleicht für 300$ pro Pfund verkauft. Aus einem Pfund können etwa 200 Tassen gekocht werden, also kostet eine Tasse Tee 1,50$. Stellen Sie sich vor - der weltbeste Tee für 1,50$ pro Tasse! Wie schön wäre es, wenn man die weltbesten Weine auch zu diesen Preisen kaufen könnte. Es würde bedeuten, dass Sie 7,50$ für eine Flasche des weltbesten Weins bezahlen müssten. Leider kann eine Flasche wirklich guten Weins nicht mal für das doppelte gekauft werden und die weltbesten Weine kosten mehrere hundert Dollar.

Das Interesse an gutem Tee ist der einzig sichere Retter für die Premium-Tee-Industrie. Auf der positiven Seite treiben das gewaltige europäische Interesse und ein wachsendes Interesse in den USA den Premium-Tee-Markt voran. Intensiver Wettbewerb bei einer immer knapper werdenden Versorgung mit feinen traditionell hergestellten Tees hat die Preise in die Höhe getrieben. Einige Tee Produzenten wurden dadurch ermutigt, wieder traditionelle Herstellungsweisen zu nutzen, mit dem Fokus auf Qualitätssteigerung anstatt Gewinn. Meine Bitte an Sie, den Teeliebhaber, ist es, die gesunden Freuden eines wirklich guten Tees zu entdecken, gute Lieferanten auszusuchen, die sich auskennen und denen ihre Produkte am Herzen liegen, und dann bereit zu sein, einen fairen Preis zu zahlen. Wenn Sie Tee einkaufen, denken Sie daran wieviel Sie tatsächlich für eine einzelne Tasse bezahlen - Ihre und meine Tasse Tee könnte davon abhängen. Wenn wir bereit sind für Qualität zu zahlen, können wir gemeinsam garantieren, dass eine viele tausend Jahre alte Tradition weiterhin gedeiht.

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